IP Payment






IP-Payment: Was ist das eigentlich?


IP-Payment, auch als IP-Billing bekannt, ist ein neues -bisher nur in Österreich eingesetztes- Abrechnungssystem für kostenpflichtige Webinhalte.

Der technische Hintergrund

Sobald ein PC mit dem Internet verbunden ist, bekommt dieser vom jeweiligen Anbieter (InternetServiceProvider/ISP) eine sogenannte IP-Adresse zugewiesen. Diese IP-Adresse ist zwingend notwendig, damit angeforderte Daten (Webseiten, E-Mails, herunterzuladene Dateien etc.) überhaupt den Weg 'zurück' zum anfordernden PC finden können. Die IP-Adresse ist also in etwa vergleichbar mit der postalischen Anschrift des Anwenders, nur mit dem Unterschied, dass sich die IP-Adresse in der Regel bei jedem Webbesuch ändert. Eine IP-Adresse ist jedoch zur gleichen Zeit weltweit immer nur einmal vergeben und ihre Verwendung wird vom ISP protokolliert. In Verbindung mit Datum und Uhrzeit ist somit feststellbar, welcher Anwender zu welchem Zeitpunkt welche IP-Adresse verwendet hat.

Der Anbieter eines Bezahldienstes kann (und wird) bei dem Aufruf seiner kostenpflichtigen Inhalte die -zu diesem Zeitpunkt für ihn anonyme- IP-Adresse, sowie den genauen Zeitpunt des Aufrufs speichern. Mit diesen aufgezeichneten Daten wird sich der Anbieter an den jeweiligen ISP wenden und läßt das Nutzungsentgelt von diesem in Rechnung stellen. Dies funktioniert allerdings nur dann, wenn der ISP der Unterstützung dieses 'Dienstes' ausdrücklich zugestimmt hat. Lieg eine solche Zustimmung nicht vor, können weder die Inhalte aufgerufen, noch etwas dafür berechnet werden.

Anwendungsbereiche für IP-Payment

Ähnlich wie ein Dialer eignet sich das IP-Payment grundsätzlich zur Abrechnung jeglicher Online-Inhalte und Dienstleistungen. Da es bislang keinerlei gesetzliche Regelungen oder Tarifobergrenzen gibt, können darüber sowohl kleinste Beträge (das sogenannte 'Micropayment'), als auch hohe Summen abgerechnet werden.

Aus Sicht eines IP-Payment-Anbieters hat dieses System einen entscheidenen Vorteil, denn es tun sich ganz neue Märkte auf. Dialer benötigten (und benötigen auch in Zukunft!) zum einen ein windowsbasiertes Betriebssystem auf dem Rechner des Anwenders und zum anderen funktionieren sie nur, wenn die Einwahl über ein analoges Modem bzw. über ISDN möglich ist. Beides ist für das IP-Payment nicht erforderlich.

Insofern kann das IP-Payment die bisherigen telefonischen Mehrwertdienste und das System der Dialer in Zukunft ersetzen, zumindest aber ergänzen.

Gefahren durch IP-Payment

Im Extremfall kann durch einen einzigen unbedachten Klick schon eine Zahlungspflicht entstehen.

Sreenshot: Zugang über IP-Payment

In diesem Beispiel würde ein Klick auf 'Bestätigen' ausreichen und die Zahlungspflicht ist begründet. Zugegeben: Die 0,12 EURO aus diesem Beispiel sind sicherlich verschmerzbar. Da es aber bisher keine Tarifobergrenzen gibt, sind der 'Abzocke' zumindest theoretisch Tür und Tor geöffnet.

Sollte sich dieses System in Zukunft durchsetzen, wird früher oder später auch Malware auftauchen, die diese geforderte Bestätigung automatisch und ohne das Wissen des Nutzer abgibt. Nicht zu vergessen sind die unzähligen PC, welche beispielsweise aufgrund eines Backdoor-Trojaners längst in 'fremder Hand' sind oder fremde Personen anderweitig Zugang zum PC und somit zum Internet haben.

Die von einem großen IP-Payment-Anbieter gepriesenen 'Vorteile'

werden so manchem kritischen Verbraucher daher eher Kopfschmerzen bereiten.

Die rechtliche Situation

Die rechtliche Situation dieses Abrechnungssystems wird u.a. von dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Martin Bahr kritisch betrachtet:

Beim IP-Payment stellt sich eine Víelzahl von neuen rechtlichen Problemen: Reicht die Identifizierung mittels einer IP aus, um einen Vertragsschluss zu beweisen? Gelten hier die Regeln des Anscheinsbeweis? Welche technischen Möglichkeiten gib es, sich gegen einen etwaigen Missbrauch abzusichern? Gelten die verbraucherschützenden Normen hinsichtlich Mehrwertdienste hier analog? Oder gibt es eine Gesetzeslücke?
Quelle: http://www.dr-bahr.com/

Wie kann man sich schützen?

Bevor man sich die Frage nach dem 'Wie' stellt, sollten zwei Punkte geklärt sein:

Wie weiter oben bereits geschrieben, muss jeder ISP einem solchen Verfahren explizit zustimmen. Macht er dies nicht, kann auch keine Abrechung erfolgen. Andererseits bedeutet dies natürlich auch, dass dann die zahlungspflichtigen Informationen nicht zur Verfügung stehen.

Unterstützt der eigene ISP jedoch dieses Verfahren und betrachtet man dieses eher als Gefahr, denn als zusätzlichen Service hat man (zumindest zur Zeit noch) ein Problem:
Anders als bei einem Dialer kann man sich hiergegen nicht mit einem Dialerschutzprogramm schützen, denn es findet keine (erneute) Einwahl statt. Auch ein Virenscanner stellt bei dieser Problematik keinen Schutz dar. Erst wenn Malware auftaucht, die ohne Zutun des Anwenders solche zahlungspflichtigen Inhalte aufruft, könnte ein Virenscanner unter Umständen dieses verhindern, wenn diese Malware in den Signaturen des Scanners eingeflegt ist.

Was bleibt dann noch als Schutz übrig?

Nicht viel und zugleich die wohl stärkste 'Waffe' überhaupt.
Eine erhöhte Wachsamkeit bei der Benutzung des Mediums Internet und ein gesundes Maß an Misstrauen. Beides sollte -unabhängig von der IP-Payment-Problematik- sowieso bei jeder 'Wanderung durch die weiten des Internets stets im virtuellen Marschgepäck' enthalten sein.

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Letze Aktualisierung: 13.02.2006